Das Phänomen der Einsamkeit hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, insbesondere vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie. Manfred Spitzer, ein renommierter Forscher auf diesem Gebiet, definiert Einsamkeit als ein subjektives Gefühl des Verlassenseins, während soziale Isolation als objektiver Zustand mit wenigen bis keinen Sozialkontakten beschrieben wird. In Deutschland sind schätzungsweise 8 Millionen Menschen betroffen, was rund 10 % der Bevölkerung entspricht. Diese Problematik betrifft besonders vulnerable Gruppen, darunter ältere Menschen und jüngere Erwachsene, wobei in bestimmten Altersgruppen sogar über 15 % an Einsamkeit leiden. rheinpfalz.de berichtet von den gravierenden gesundheitlichen Folgen, die Einsamkeit mit sich bringt.
Eine umfassende Analyse hat gezeigt, dass Einsamkeit nicht nur die psychische Gesundheit beeinträchtigt, sondern auch zu physischen Erkrankungen führen kann. Zu den medizinischen Konsequenzen zählen ein erhöhter Blutdruck, ein höheres Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie eine verminderte Immunabwehr. Chronischer Stress, der durch Einsamkeit verursacht wird, hat weitreichende negative Effekte auf die Gesundheit. Die Folgen können bis zu einer erhöhten Anfälligkeit für Angst und Depressionen reichen, was die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigt, wie auch die Ergebnisse von Studien im Fachbereich zeigen. pmc.ncbi.nlm.nih.gov.
Folgen der sozialen Isolation
Die SARS-CoV-2-Pandemie hat die Situation vieler älterer Menschen verschärft, die durch soziale Isolation ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe erfahren. Es zeigt sich, dass die Lebensqualität vieler Älterer kaum noch gewährleistet ist, da der Mangel an sozialen Kontakten zu einer Abnahme der körperlichen und psychischen Gesundheit führt. Soziale Isolation bekämpft beispielsweise die Compliance bei der Medikamenteneinnahme, was zu schlechteren Krankheitsverläufen führt. Dies bedeutet ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinweisungen und Pflegebedürftigkeit.
Gerade während der Lockdowns haben viele isolierte ältere Menschen eine Zunahme von Stresssymptomen und Schlafstörungen erfahren. Für diese Gruppe stellt soziale Isolation einen unabhängigen Risikofaktor für Morbidität und Mortalität dar, wie eine Metaanalyse zeigt, in der eine um 50 % erhöhte Sterblichkeit innerhalb von 7,5 Jahren nachgewiesen werden konnte. Die Notwendigkeit, die soziale Situation älterer Menschen zu verbessern, ist daher dringend geboten. Zudem sollte besonderen Fokus auf Screening-Instrumente gelegt werden, um den emotionalen und sozialen Status dieser Menschen zu erfassen.
Politische Initiativen zur Bekämpfung von Einsamkeit
In Reaktion auf die drängenden Herausforderungen plant die Bundesregierung eine umfassende Strategie gegen Einsamkeit, initiiert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ). Diese Strategie wurde am 14. Juni 2023 bei einer Fachkonferenz in Berlin vorgestellt und zielt darauf ab, evidenzbasierte Strukturen zur Bekämpfung von Einsamkeit zu schaffen. Bundesfamilienministerin Lisa Paus hebt hervor, dass es an der Zeit sei, bestehendes Wissen zu bündeln und klare Maßnahmen zur Bekämpfung der Einsamkeit zu entwickeln.
Die COVID-19-Pandemie hat besonders die Einsamkeitsproblematik verschärft. Berichte zeigen, dass die Einsamkeit in allen Altersgruppen zugenommen hat—insbesondere unter Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Alleinlebenden. Es ist bedeutend, dass die Qualität sozialer Beziehungen als Schutzfaktor gegen Einsamkeit erkannt wird. Studien haben auch die Notwendigkeit hervorgehoben, soziale Netzwerke aufzubauen und ehrenamtliche Unterstützung zu fördern, um Einsamkeit zu verringern.
Die WHO plant sogar die Gründung einer Kommission, um die Sichtbarkeit und das Bewusstsein für Einsamkeit zu erhöhen und geeignete Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Diese Entwicklungen sind notwendig, um den gesundheitlichen Herausforderungen, die durch Einsamkeit und soziale Isolation entstehen, wirksam zu begegnen. aerzteblatt.de