Ab Herbst 2026 müssen Grundschulen in Rheinland-Pfalz eine ganztägige Betreuung von acht Stunden anbieten. Dieser Schritt ist Teil eines umfassenden Plans, der es Erstklässlern ab dem Schuljahr 2026/2027 ermöglicht, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu erhalten. Bis zum Schuljahr 2029/2030 soll jede der vier Klassenstufen an Grundschulen in Rheinland-Pfalz umfassend betreut werden. Diese Reform wurde von vielen als wichtige Maßnahme zur Unterstützung von Kindern und Familien begrüßt, da sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern soll.
Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Implementierung von Ganztagsbetreuung stellt die Goethe-Grundschule in Höhr-Grenzhausen dar. Diese Schule ist seit 2005 als Ganztagsschule etabliert und hat ein durchdachtes pädagogisches Konzept für den Nachmittag entwickelt, das Lehrer aktiv in die Betreuung der Schüler einbezieht. Schulleiterin Julia Löser betont die zentrale Rolle der Lehrkräfte für den Erfolg dieses Modells.
Der Ausbau des Ganztagsangebots
Rheinland-Pfalz ging bereits 2002 als erstes Bundesland mit einem speziellen Ausbauprogramm für schulische Ganztagsangebote voran. Mittlerweile gelten die rheinland-pfälzischen Ganztagsschulen als Erfolgsmodell. Über 90 Prozent der 965 Grundschulen bieten inzwischen Ganztagsangebote an, wobei 354 Schulen in einer Angebotsform und 9 in einer verpflichtenden Form agieren. Auch 506 Schulen haben sich zu Betreuenden Grundschulen mit offenem Ganztagsangebot entwickelt, während 88 Schulen Übermittagsbetreuung anbieten. Der kontinuierliche Ausbau dieser Angebote wird in den kommenden Jahren fortgesetzt, um den neuen Rechtsanspruch zu erfüllen.
Die Ganztagsangebote tragen nicht nur zur Chancengerechtigkeit bei, sondern unterstützen auch soziale Teilhabe und Integration. Dies ist insbesondere von Bedeutung für Kinder aus migrantischen Familien, da die Schulen gezielte Sprachförderung anbieten. Bezüglich des Ausbaus der Grundschulen sind jedoch viele Kommunen und Kreise in Rheinland-Pfalz mit Herausforderungen konfrontiert, die oft Um- oder Erweiterungsbauten erforderlich machen.
Julia Löser ermutigt andere Schulen, ebenfalls Ganztagsbetreuung einzuführen und sieht im Konzept viel Potenzial. Die gesetzlichen Änderungen bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich, die nicht zu unterschätzen sind. Dennoch wird die gesetzliche Verankerung des Rechtsanspruchs auf ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote in Rheinland-Pfalz allgemein begrüßt. Damit wird die Notwendigkeit unterstrichen, eine solide und umfassende Grundlage für die Schulbildung zu schaffen, die sowohl den Bedürfnissen der Kinder als auch den Herausforderungen der modernen Gesellschaft gerecht wird.