Die Stadt Frankfurt plant die Gründung eines Suchthilfezentrums für Crack-Süchtige im Bahnhofsviertel, ein Projekt, das bereits seit mehreren Jahren angedacht wird. Der Frankfurter Sozialdezernat sucht seit zwei Jahren nach geeigneten Räumlichkeiten und hat nun ein vielversprechendes Gebäude in der Niddastraße 76 gefunden, das sich in unmittelbarer Nähe zu einem Hotspot der Crack-Szene befindet. Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne) hat angekündigt, dieses Gebäude im Namen der Stadt zu mieten. Tagesschau berichtet, dass das geplante Zentrum Übernachtungsmöglichkeiten, Ruhebetten, Beratungsangebote und Konsumräume umfassen wird.
Das Konzept des Zentrums orientiert sich an einem erfolgreichen Modell aus Zürich, wo eine offene Drogenszene weitgehend zurückgedrängt werden konnte. In Zürich wird der Handel mit kleinen Mengen illegaler Drogen toleriert, während in Frankfurt eine derartige Vorgehensweise ausgeschlossen ist. Die genaue Finanzierung und die Frage, ob es sich um eine Miete oder einen Kauf des Gebäudes handeln wird, sind noch unklar. Der Stadtregierung ist es nun überlassen, der Anmietung oder dem Kauf des Objekts zuzustimmen. Die Einrichtung steht im Kontext des „Frankfurter Wegs“, der vor 31 Jahren mit der Einführung von Konsumräumen für Heroinabhängige begann.Frankfurter Rundschau liefert zusätzliche Einblicke zur Problematik des Crackkonsums.
Problematischer Crackkonsum im Bahnhofsviertel
Crack wird seit mehr als 25 Jahren in Frankfurt konsumiert und hat in den letzten Jahren zunehmend an Dominanz gewonnen. Aus einer qualitativen Studie, die von Bernd Werse, einem Mitbegründer des Centre for Drug Research an der Goethe-Universität Frankfurt, präsentiert wurde, geht hervor, dass die Anwesenheit im Bahnhofsviertel als maßgeblicher Auslöser für den Crackkonsum fungiert. Die Studie, die zwischen Juli und September 2017 in 30 Interviews durchgeführt wurde, liefert auch Ansätze zur Hilfestellung, wie etwa ein legaler Zugang zu Cannabis.Rundschau hebt hervor, dass die Ergebnisse auch heute noch relevant sind.
Die Konsummuster zeigen sich variabel. So wird zwischen mehrtägigen Konsumepisoden, sogenannten „Binges“, und einem regelmäßigen Konsum mit selbst auferlegten Regeln unterschieden. Interessanterweise berichten Konsumierende, dass Crack für sie vergleichbare Wirkungen wie Kaffee hat, wobei insbesondere auch Prostituierte Crack nutzen, um Schmerzen beim Sex zu lindern. Der Standort des Bahnhofsviertels scheint ein entscheidender Faktor zu sein, da die Präsenz dort häufig als Trigger für den Konsum bezeichnet wird; andernorts fällt der Verzicht leichter.
Kritik und soziale Herausforderungen
Die geplanten Maßnahmen der Stadtregierung stehen nicht ohne Herausforderungen da. Eine klare Kritik kommt von der Frankfurter CDU, die fordert, dass nur in Frankfurt wohnhafte Abhängige Zugang zu Konsumräumen erhalten sollten. Die CDU-geführte Landesregierung hat darüber hinaus einen 7-Punkte-Plan für das Bahnhofsviertel vorgestellt, der die Umsiedlung von Betreuungsangeboten in andere Stadtteile vorsieht.
Der Bereich der Drogenhilfe bleibt somit ein spannungsgeladenes Thema in Frankfurt, das soziale Herausforderungen und verschiedene Ansätze zur Bekämpfung der Drogenproblematik in den Vordergrund rückt. Die weitere Entwicklung der Suchtberatungsangebote könnte entscheidend sein für viele Betroffene. Die Stadt steht nun vor der wichtigen Aufgabe, geeignete Maßnahmen zu finden, um den Drug-Use und die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme zu bearbeiten.