Die Region um Grund-Schwalheim kann sich eines besonderen Bauprojekts rühmen, das nunmehr als die teuerste Bauruine der Umgebung gilt. Laut FNP wurde das geplante Amazon-Logistikzentrum, das seit 2021 im Bau war, dauerhaft gestoppt. Obwohl die Arbeiten bereits seit Jahren ruhten, liegen sowohl die Verantwortung als auch die damit verbundenen Kosten nun vehement zwischen den Baupartnern und der internationalen Handelsplattform Amazon.
Die Umstände, die zu diesem Stopp geführt haben, sind vielschichtig. Anfänglich stoppte ein Gericht im Mai 2021 den Weiterbau des Logistikzentrums, weil die Klage des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wegen unzureichender Umweltprüfungen Erfolg hatte. Obwohl eine Umweltverträglichkeitsprüfung anschließend wiederholt wurde, konnte sie den Anforderungen nicht gerecht werden, was zu weiteren Komplikationen führte.
Streit um Entschädigung
Die Baufirma Garbe, die mit den Arbeiten am Logistikzentrum beauftragt war, sieht sich nun mit einer 70 Prozent fertigen Bauruine und Kosten von insgesamt 23 Millionen Euro konfrontiert. Online Händler News berichtet, dass Garbe von Amazon eine Entschädigung in Höhe von 14 Millionen Euro fordert. Dies geschieht in einem Einigungsversuch, nachdem Amazon im Jahr 2023 per Beendigungsschreiben seinen Rückzug vom Projekt verkündet hat, unter dem Vorwand, dass das Bauvorhaben nicht mehr den aktuellen Unternehmensanforderungen entspreche.
Wie aus den Unterlagen hervorgeht, hat Amazon bereits drei solcher Beendigungsschreiben an den Bauträger gesendet. Ein Anwalt von Amazon erklärte, dass die Halle nicht länger für ein Verteilzentrum geeignet sei. In einem zusätzlichen Konflikt um die Kostenverteilung bietet Amazon lediglich eine maximale Beteiligung von 7,8 Millionen Euro an, was die Lage weiter erschwert.
Das Gericht hat empfohlen, dass die Parteien versuchen, eine direkte Einigung zu erzielen. Diese Verhandlung könnte jedoch kompliziert werden, wenn keine Einigung erzielt wird. Der nächste Termin vor dem Landgericht Gießen ist für den 23. Mai anberaumt. Dabei bleibt unklar, ob und wie ein Rückbau des Logistikzentrums, das sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, in die Wege geleitet werden könnte.
Die Entwicklung rund um das Amazon-Projekt zeigt nicht nur die Schwierigkeiten, die bei Großprojekten auftreten können, sondern wirft auch ein Licht auf die Herausforderungen der baurechtlichen Vorgaben, insbesondere in Bezug auf Umweltaspekte. Die anhaltenden Streitigkeiten zwischen Garbe und Amazon stehen stellvertretend für die Ungewissheit, die mit solchen groß angelegten Bauvorhaben verbunden ist.