Der Stadthof in Hanau, ein ehrgeiziges Projekt, das auf dem Gelände eines ehemaligen Kaufhauses entstanden ist, sorgt für vielfältige Reaktionen in der Stadt. Während einige Bürger in ihm einen Hoffnungsträger für die Lösung von Strukturproblemen sehen, betrachten andere ihn skeptisch als ein finanziell unhaltbares kommunales Kaufhaus. Kommunalpolitiker sehen in dem Projekt zudem ein Prestigeobjekt. Die Pläne des Stadthofs beinhalten eine multifunktionale Nutzung, die Kultur-, Sport- und Einkaufsmöglichkeiten umfassen soll. Dennoch bleibt die Frage der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit. Laut einem Bericht von Vorsprung könnte der Stadthof sich als finanziell untragbar erweisen.
Das Gebäude wurde für 25 Millionen Euro gekauft, wobei nur 5 Millionen Euro auf den Grundstückswert entfielen. Für Umbau und Sanierung sind mindestens 40 Millionen Euro vorgesehen, was die geschätzten Gesamtkosten auf 65 Millionen Euro steigen lässt. Die jährlichen Erhaltungskosten könnten sich auf 2,6 Millionen Euro belaufen, wobei die Verwaltungskosten auf 1,3 Millionen Euro geschätzt werden. Damit ergibt sich eine gesamte jährliche Belastung von rund 5,85 Millionen Euro, die Einnahmen generieren müssen, um gesetzliche Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit zu erfüllen.
Risiken und Herausforderungen
Die Stadt Hanau trägt das langfristige Risiko als Betreiber des Stadthofs und steht damit im Vergleich zu anderen Projekten, wie etwa dem Brüder-Grimm Forum, alleine. Kurzfristig könnte der Stadthof als Lösung gegen Leerstand fungieren, doch die langfristige Perspektive erscheint fraglich und kostspielig. Experten befürchten, dass staatliche Investitionen in den Handel nur kurzfristige positive Effekte erzielen, was potenziell die Bürger von Hanau oder Hessen finanziell belasten könnte. Angesichts dieser Umstände bleibt die Zukunft des Stadthofs ungewiss, besonders ohne eine klare wirtschaftliche Perspektive.
Das Projekt steht im Kontext einer umfassenden Transformation von Stadtzentren, die auch von der Corona-Pandemie beeinflusst wurde. Diese hat die Anforderungen an die Innenstädte erheblich verändert. Immer mehr Städte stehen vor der Herausforderung, innovative Konzepte zu entwickeln, um leerstehende Flächen zu revitalisieren. Ein solches Konzept verfolgt auch der Stadthof. Nico Ubenauf, CEO von satis&fy, betont die Bedeutung von kreativen Brainstorming-Sitzungen zur Neugestaltung der Stadt sowie die Notwendigkeit, innovative Designs zu integrieren. HBB führt an, dass die Ausgestaltung des Stadthofs darauf abzielt, kleinere Einzelhandelsflächen sowie innovative, zeitlich begrenzte Konzepte zu bieten, die nicht mit dem traditionellen Einkaufszentrum konkurrieren.
Ein Modell für zukünftige Stadtzentren?
Ubenauf sieht den Stadthof als Modellprojekt für die Revitalisierung anderer Innenstädte und unterstreicht die Notwendigkeit, Städte multifunktional zu gestalten, um die Lebensqualität zu verbessern. Experten warnen jedoch, dass ohne eine Lösung für die rechtlichen und finanziellen Hemmnisse der Innenstadtentwicklung, wie sie in der aktuellen Publikation der imakomm AKADEMIE GmbH thematisiert werden, eine erfolgreiche Umsetzung solcher Projekte gefährdet sein könnte. Diese Publikation beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Innenstadtentwicklung und ist das Resultat eines umfassenden Gutachtens für das Land Baden-Württemberg. Städtestag beschreibt die Notwendigkeit, die bestehenden Hemmnisse in der Stadtentwicklung zu überwinden, um zukunftsträchtige Lösungen zu finden.
Die Meinungen über den Stadthof in Hanau sind gespalten, und während einige in ihm eine Chance für die Stadt sehen, warnen andere vor den finanziellen Risiken und den Herausforderungen des Vorhabens. Selbst die Eröffnung des Stadthofs wird mit großer Spannung erwartet, da es unklar bleibt, wie er von den zukünftigen Nutzern angenommen wird.