Am 3. April 2025 hat Israel seine Militärpräsenz im Gazastreifen ausgeweitet, was auf eine verstärkte Kontrolle und eine sich zuspitzende humanitäre Krise hinweist. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, einen Vorstoß im Korridor zwischen Rafah und Khan Yunis zu unternehmen, mit dem Ziel, „die Morag-Route“ zu erobern. Diese Route wurde im Jahr 2005 geräumt. Verteidigungsminister Israel Katz sagte, die Armee plane, umfangreiche Gebiete im Gazastreifen zu erobern, die dann als israelische „Sicherheitszonen“ definiert werden sollen.
Laut einem Bericht der Jerusalem Post kontrolliert die israelische Armee mittlerweile fast 30 Prozent des Gazastreifens. Generalstabschef Ejal Zamir betonte, dass der weitere Vormarsch der Armee unmittelbar von der Freilassung der derzeitigen Geiseln abhängt. Aktuell befinden sich 24 lebende Geiseln sowie die sterblichen Überreste zahlreicher weiterer in palästinensischer Gewalt.
Proteste und Eskalationen
Die israelische Armee rechtfertigte den Angriff mit dem Hinweis, dass er gegen Hamas-Terroristen in einem Kommandozentrum gerichtet gewesen sei. In den letzten zwei Wochen sind israelische Bodentruppen im Stadtteil Tal al-Sultan, der Teil von Rafah ist, aktiv, während die Armee das gesamte Viertel umstellt. Laut den Vereinten Nationen sind über 100.000 Menschen bereits in den Süden des Gazastreifens geflohen, ein klares Zeichen der Zivilbevölkerung vor anhaltendem Konflikt und Eskalation.
Geisel-Freilassung und Waffenstillstand
In einer anderen Entwicklung wurden am 27. Februar dieses Jahres drei Geiseln nach 16 Monaten aus der Gefangenschaft der Hamas freigelassen. Diese waren Ohad Ben Ami (56), Or Levy (34) und Eli Sharabi (52). Berichten zufolge wirkten sie blass und unterernährt. Israels Außenminister Gideon Saar sprach über ihren besorgniserregenden Zustand auf der Plattform X. Premier Netanjahu äußerte sich mit Drohungen, ohne jedoch offene Details anzubieten.
Die Freilassung war von Hamas inszeniert worden und sorgte international für Empörung, da die Geiseln gezwungen wurden, sich für die „Fürsorge“ zu bedanken. Israels Präsident Izchak Herzog bezeichnete diese Aktion als „zynisches und grausames Spektakel“. Diese Freilassung führte zudem zur Entlassung von 183 palästinensischen Häftlingen, die in Ramallah und im Gazastreifen empfangen wurden. Gespräche über die Fortsetzung eines Waffenstillstands finden derzeit in Katar statt, wo auch die USA und Ägypten beteiligt sind.
Internationale Reaktionen
US-Präsident Biden und ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums äußerten sich positiv zu den Entwicklungen im Nahen Osten. Palästinenser-Präsident Abbas forderte eine umfassende politische Lösung, die auf internationaler Legitimität basiere. Während Bundesaußenministerin Baerbock die Situation als Durchbruch für humanitäre Hilfe bezeichnete, forderte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Freilassung aller Geiseln.
Die Waffenruhe, die zwischen Israel und der Hamas vereinbart wurde, soll morgen um 10 Uhr in Kraft treten und zunächst vier Tage dauern. In dieser Zeit sind schrittweise Freilassungen von 50 der rund 240 Geiseln der Hamas vorgesehen, darunter 30 Frauen und 20 Kinder. Im Gegenzug werden 150 palästinensische Häftlinge, darunter Frauen und Minderjährige, freikommen. Weitere Verlängerungen der Feuerpause könnten in Betracht gezogen werden, abhängig von der Anzahl zusätzlicher Geiseln, die freigelassen werden.
Obwohl es erste positive Signale gibt, bleibt die Situation angespannt und unvorhersehbar, während sich die internationale Gemeinschaft weiterhin bemüht, eine akzeptable Lösung zu finden.