Im Kreis Euskirchen präsentieren sich die aktuellen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt als vielschichtig und herausfordernd. Markus Mörsch, Direktor Einkauf bei Papstar in Kall, äußerte kürzlich, dass das Unternehmen Schwierigkeiten hat, geeignete Mitarbeiter zu finden. Dies zeigt sich auch in der Vielzahl offener Stellen, die bislang nicht besetzt werden konnten.
Ralf Holtkötter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl, stellte auf der Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz fest, dass die Zahl der Bewerber auf 873 gestiegen ist. Diese Zahl übersteigt die vorhandenen Ausbildungsstellen von 725. Holtkötter betont, dass dies einen Anstieg von 4,7 % im Vergleich zum Vorjahr und sogar von 25 % im Vergleich zu 2023 darstellt.
Veränderungen im Bewerberfeld
Besonders auffällig ist der Anstieg des Anteils an Bewerbern mit Abitur oder Fachhochschulreife, der nun bei nahezu einem Drittel liegt. Damit wächst der Wettbewerb um Ausbildungsplätze, während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Kreis Euskirchen um 25 auf 725 gesunken ist, was einem Rückgang von 3,3 % entspricht. Holtkötter merkt eine Zurückhaltung bei den Betrieben an, obwohl die Chancen für Jugendliche, einen Ausbildungsplatz zu finden, weiterhin gut sind.
Ein interessanter Trend ist die Zunahme an Bewerbern aus dem Ausland und geflüchteten Personen, die von 36 auf 74 gestiegen sind. Insgesamt stehen 418 gemeldete Stellen 564 Bewerbern gegenüber. Während 120 Jugendliche bereits einen Vertrag unterschrieben haben, entscheiden sich 73 für eine weiterführende Schule oder ein Praktikum.
Ausbildungsberufe im Fokus
Die Ausbildungslandschaft bietet zahlreiche Möglichkeiten. Im Einzelhandel sind beispielsweise 51 offene Stellen ausgeschrieben, gefolgt von 21 in der Fachkraft für Lagerlogistik und 14 bei zahnmedizinischen Fachangestellten. Auch bei Dachdeckern und Eisenbahnern gibt es entsprechende Angebote. Richard Graf von der Handwerkskammer Aachen berichtet, dass ein Drittel der Betriebe Ausbildungsplätze nicht besetzen kann.
Die demografische Struktur des Bewerberfeldes ist ebenfalls bemerkenswert: 75 % der Auszubildenden sind jünger als 20 Jahre. Laut der Landesstatistik ist die Zahl der Abschlüsse im Kreis Euskirchen um 0,5 % zurückgegangen, während die Strukturen auf dem Ausbildungsmarkt dynamisch bleiben.
Abschließend appelliert Holtkötter an junge Menschen, ihre Entscheidungen nicht hinauszuzögern, um die sich bietenden Chancen aktiv zu nutzen. Die IHK berichtet von 126 unterschriebenen Verträgen, jedoch 11 weniger als im Vorjahr. Eine Herausforderung, die sowohl für angehende Auszubildende als auch für Unternehmen an Bedeutung gewinnt.
Weitere Details und aktuelle Zahlen zum Ausbildungsmarkt finden Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes destatis.de.