Die Großeltern des zweijährigen Émile sind wieder auf freiem Fuß. Diese Neuigkeit sorgt in Frankreich für großes Aufsehen, da sie nach mehr als anderthalb Jahren in Polizeigewahrsam aufgrund des Mordverdachts an ihrem Enkel entlassen wurden. Nach Medienberichten, unter anderem von BFMTV und «Le Parisien», gab die Staatsanwaltschaft von Aix-en-Provence bekannt, dass auch eine Tante und ein Onkel des Kindes, die ebenfalls in Gewahrsam waren, freigelassen wurden.
Am Dienstag wurden die Großeltern zusammen mit zwei ihrer Kinder aufgrund von Unklarheiten bezüglich der Zeitangaben des Großvaters festgenommen. Bei den Ermittlungen beschlagnahmten die Fahnder ein Auto und einen Pferdewagen der Familie. Émile war im Sommer 2023 im kleinen Dorf Le Vernet verschwunden, während er bei seinen Großeltern im Urlaub war. Am 8. Juli 2023 verloren diese gegen Abend den Blick auf ihn. Zeugen berichteten, das Kind gesehen zu haben, wie es eine Straße hinunterlief.
Die Umstände des Verschwindens von Émile
Die Polizei startete daraufhin eine groß angelegte Suchaktion, die auch den Einsatz von Leichenspürhunden umfasste. Die Ermittlungen fanden vor dem Hintergrund einer kleinen Dorfgemeinschaft mit nur 125 Einwohnern statt, deren Umgebung abgeriegelt wurde, um die Geschehnisse des Verschwindens nachzustellen. Zunächst wurde wegen Entführung und Freiheitsberaubung ermittelt, ein Unfall jedoch ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Über ein Jahr nach dem Verschwinden wurde Émiles Überreste von einem Wanderer in einem Wald gefunden, etwa 1,5 Kilometer vom Haus der Großeltern entfernt. Ob und wie der Junge ums Leben kam, bleibt unklar. Staatsanwalt Jean-Luc Blachon erklärte, dass keine der verschiedenen Theorien – darunter Sturz, fahrlässige Tötung oder Mord – als wahrscheinlicher erachtet werden kann. Am 8. Februar 2025 fand die Beisetzung von Émile statt.
Spekulationen und Ermittlungen
Die Umstände seines Todes begleiten zahlreiche Spekulationen. Diese reichen von einem Unfall über einen möglichen Wolfangriff bis hin zu einer mutmaßlichen Beteiligung der Großeltern. Darüber hinaus habe die französische Polizei einen großen Blumenkübel in der Nähe einer Kapelle im Dorf beschlagnahmt, welcher am Eingang des Friedhofs platziert war. Dieser wurde aufgrund eines anonymen Hinweises zur weiteren Untersuchung ins Labor gebracht. Ein entscheidender Hinweis wird durch einen anonymen Brief gegeben, der der Polizei zugespielt wurde.
Zudem offenbart sich ein dunkles Familiengeheimnis: Émiles Großvater, Philippe V., hatte mit Anne R.-V. insgesamt zehn Kinder. In dieser verworrenen Situation stehen die Großeltern nun im Verdacht, sich an der „vorsätzlichen Tötung“ und „Verheimlichung einer Leiche“ ihres Enkels beteiligt zu haben.
Die Ermittlungen dauern somit an, und die Öffentlichkeit wartet gespannt auf die kommende Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft, die für Donnerstag um 10.30 Uhr angesetzt ist.