In diesem Jahr kehren die Störche früher als gewohnt nach Rheinland-Pfalz zurück. Jessica Lehmann vom Storchenzentrum Rheinland-Pfalz berichtet, dass die Nester in der Region größtenteils bereits besetzt sind. Diese frühzeitige Rückkehr könnte auf die Wetterverhältnisse in ihren Überwinterungsgebieten in Spanien oder Portugal zurückzuführen sein. Dabei wird seit Anfang März in Rheinland-Pfalz gebrütet. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass viele Altstörche und Erstbrüter sich früher als in den Vorjahren auf den Weg gemacht haben.
Die Situation in bestimmten Landkreisen ist besorgniserregend. Im Kreis Birkenfeld, Bad Kreuznach und Rheinhessen sind bereits alle Nester belegt. Allerdings fehlen einige eingesessene Storchenpaare, was die Anzahl der Storchenhorste stagnieren oder sogar rückläufig machen könnte. Der Nachzug der Erstbrüter könnte die Lage jedoch verbessern, da Störche in der Regel mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif werden. In dieser Phase kann es jedoch zu aggressiven Kämpfen zwischen Jungstörchen und Altstörchen kommen, wenn sie um Nistplätze konkurrieren.
Ungewisse Entwicklung des Storchenbestands
Die Observer sind auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen, um neue Nester zu identifizieren. Der Storchenbestand in Rheinland-Pfalz galt von 1974 bis 1996 als erloschen, was eine dramatische Geschichte der Artenrückkehr darstellt. 1997 wurde ein erfolgreiches Wiederansiedlungsprojekt gestartet, welches die „Aktion PfalzStorch“ zur Grundlage hatte. Trotzdem bleibt die Entwicklung des Bestands ungewiss, insbesondere nach dem Vorjahr, als viele Jungstörche aufgrund widriger Wetterbedingungen starben.
Ein zusätzliches Problem könnte ein sehr trockenes Frühjahr darstellen, das zu Nahrungsmangel für die Jungstörche und andere Vogelarten führen könnte. Dieses Nahrungsproblem ist besorgniserregend, da Störche Opportunisten sind, die eine Vielzahl von Tieren fressen. Sie sind insbesondere gefährdet durch Stromtod, Kollisionen, Straßenverkehr und Müll in ihren Nistplätzen. In Baden-Württemberg wurden 1991 noch 85 Weißstorchenpaare gezählt, während die Zahl 2011 bereits auf 518 Paare angewachsen war.
Projekt zur Wiederansiedlung der Störche
Ein Beispiel für effektive Bemühungen zur Wiederansiedlung ist die NABU-Gruppe in Vaihingen/Enz, die seit 1995 daran arbeitet, Weißstörche in Horrheim anzusiedeln. Zwei Holzmasten wurden mit speziellen Nestkorb-Konstruktionen montiert, um den Störchen ein sicheres Brutgebiet zu bieten. Im Jahr 2014 wurde dort ein Storchenpaar gesichtet, das mit dem Nestbau begann, trotz anfänglicher Bedenken über ihr Verhalten.
Die Rückkehr von Störchen ist nicht nur ein Zeichen der Natur, sondern auch eine Geschichte von Wiederbelebung und Hoffnung. Die Lebenserwartung der Weißstörche beträgt 20 bis 30 Jahre, und sie ziehen jährlich von Deutschland nach Afrika, wobei ihre Routen je nach Region variieren. Während des langjährigen Schutzes zeigt sich, dass die Zahl der Störche in der Schweiz ebenfalls stetig wächst. Im Winter 2023/2024 überwinterte knapp die Hälfte der Störche in der Schweiz, was einen neuen Höchstwert bestätigte.
Die erfolgreichen Maßnahmen und der Anstieg der Populationen deuten darauf hin, dass die Störche sich an veränderte Lebensbedingungen anpassen können. Trotz der Herausforderungen bleibt die Hoffnung, dass die frühzeitige Rückkehr und die anhaltenden Wiederansiedlungsprojekte zu einer stabilen Population der Störche in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus führen werden.