Im Nordkreis Kusel wird erneut auf das sensible Thema Aufforstung gesetzt. Hunderte weiße Plastikhüllen stehen im Wald zwischen Lauterecken und Cronenberg, die junge Bäume verbergen. Forstwirt-Azubis sind damit beschäftigt, einen neuen Mischwald in dieser Region zu pflanzen. Dieses Engagement kommt nachdem vor zwei Jahren zahlreiche Fichten der Borkenkäferplage zum Opfer fielen. Revierförsterin Kai-Sophie Nöcker ist aktiv in dem Gebiet tätig und hat dabei mit den Herausforderungen zukunftsorientierter Waldbewirtschaftung zu kämpfen. Die vorherige Vegetation war teilweise von wuchernden Brombeeren überzogen, die es erschwerten, neue Baumarten anzusiedeln.
In einer ähnlichen Situation sehen sich die Bayerischen Staatsforsten konfrontiert. Fabian Mainardy, Leiter eines 90-köpfigen Teams, beobachtet eine Kahlfläche von 500 Hektar am Rennsteig im Landkreis Kronach, die größtenteils in Privatbesitz ist. Hier sind rund 50 Prozent der Fichten durch Borkenkäfer geschädigt, während der Kahlflächenanteil im Staatswald unter 10 Prozent bleibt. Aufgrund der drohenden Klimakrise und der Pionierproblematik in der Aufforstung steht Mainardy unter immensem Handlungsdruck. Hohe Grasbestände und eine vermehrte Mäusepopulation behindern die Pflanzung neuer Bäume erheblich.
Herausforderungen der Aufforstung
Um der Herausforderung zu begegnen, setzen die Bayerischen Staatsforsten auf proaktive Maßnahmen. Christian Goldammer, ein örtlicher Revierleiter, hat bereits Erfolge mit Libanon-Zedern erzielt, die vor fünf Jahren gepflanzt wurden. Diese Baumart bringt mit etwa 300 Euro pro Festmeter einen höheren Preis als herkömmliche Fichten. In den vergangenen drei Jahren wurden 1,5 Millionen Baumwinzlinge gesetzt, die alle aus gesicherter Herkunft stammen. Besonders kleine Tannen aus dem staatlichen Pflanzgarten in Bindlach stehen im Fokus der Aufforstungsstrategie.
Zusätzlich wurde herausgefunden, dass einige Kahlflächen, auf denen Eicheln aus dem Spessart gesät wurden, prächtig gedeihen. Diese Erfolge bestärken die Entscheidung, künftig proaktiv Baumarten zu pflanzen, bevor Krisen sichtbar werden. Ein bunter Mischwald aus Buchen, Bergahorn, Tannen und Lärchen entsteht, der unter den gesund gebliebenen Fichten wächst.
Zukunft sträflicher Mischwälder
Die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Baumarten müssen jedoch weiterhin im Fokus bleiben. Der Fachmann Jürgen Gauer von der Forschungsanstalt Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz analysiert den Boden in Kahlflächen, der aus Lehm und Ton besteht und für flachwurzelnde Fichten ungeeignet ist. Der Sturm im März, der zahlreiche Nadelbäume umgerissen hat, hat die Situation zusätzlich verschärft. In der Folge erwartet Förstamtsleiter Bernhard Frauenberger, dass eine Pionierbaumart wie die Birke sich in diesen Flächen selbst ansiedeln wird, während die Traubeneiche ebenfalls gute Chancen hat.
Die Förster planen, die Artenvielfalt durch gezielte Anpflanzungen zu erhöhen. Zukünftige Mischwälder sollen aus verschiedenen Baumarten bestehen, darunter Stieleiche, Edelkastanie, Esskastanie und Winterlinde, um das Risiko von Baumartenverlusten zu minimieren. Dabei gelten bis zu zwölf Baumarten pro Fläche als Ziel. Ulrike Höfken, die rheinland-pfälzische Forstministerin, hebt die Bedeutung von Mischwäldern für die Zukunft hervor. Fichten fehlen immer mehr die Perspektiven, das zeigt sich auch in den noch gesunden Fichtenforsten, wo jetzt vorgesorgt wird.
Die Waldfunktionen, wie die Regulierung des Wasserhaushalts und der Schutz des Bodens vor Erosion, sind essenziell für das Ökosystem. Es ist daher entscheidend, dass die Regierungen Anreize für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung schaffen. Höfken fordert eine stärkere Honorierung dieser Waldfunktionen aus dem Klimafonds und wirksame Maßnahmen zur Emissionsminderung. Die Zusammenarbeit mit dem “Forest Stewardship Council” wird betont, um naturnahe Waldbewirtschaftung zu zertifizieren.
Aktuelle Aufforstungsmaßnahmen in der Region zeigen, dass es wichtig ist, nicht nur auf die bestehenden Herausforderungen zu reagieren, sondern auch zukunftsorientierte Strategien zu entwickeln, um den Wäldern eine nachhaltige Zukunft zu schenken. Dies ist mehr denn je nötig, um die unschätzbaren ökologischen Leistungen der Wälder zu erhalten.