In Zemmer wird eine neue Wohngruppe für psychisch kranke Patienten aus dem Maßregelvollzug geplant. Die Barmherzigen Brüder Schönfelderhof haben die Eröffnung für August 2025 angekündigt. Wie SWR berichtet, fand am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung in Orenhofen statt, an der rund 90 Bürger teilnahmen. Dies zeigt das öffentliche Interesse und die Bedenken, die mit dem Projekt verbunden sind.
Die Wohngruppe wurde erstmals im Januar 2023 vorgestellt. Damals äußerten viele Anwohner ihre Sorgen hinsichtlich möglicher Rückfälle der zukünftigen Bewohner. Zweck dieser Einrichtung ist es, den Bewohnern die Rückkehr in die Gesellschaft zu erleichtern und sie auf ein straffreies Leben vorzubereiten. Die zukünftigen Bewohner haben aufgrund psychischer Erkrankungen Straftaten begangen und wurden für unzurechnungsfähig erklärt. Um ihre Integration in die Gesellschaft zu fördern, sollen sie in der Wohngruppe lernen, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, wie beispielsweise Einkäufe zu erledigen.
Öffentliche Unterstützung wächst
In der neuesten Veranstaltung zeigten die Bürger mehr Verständnis für das Projekt. Es gab keine Zwischenrufe oder negative Reaktionen, was einen positiven Wandel in der Wahrnehmung der Anwohner darstellt. Eine Bürgerin äußerte, dass sie ihre anfänglichen Ängste überwunden habe und das Projekt nun als positiv erachte. Rainer Klippel von den Barmherzigen Brüdern bezeichnete die Veranstaltung als Erfolg und bestätigte, dass die Bürger nun besser informiert sind.
Ortsbürgermeister Constantin Ney berichtete von einer gesteigerten Zustimmung in der Bevölkerung für die Wohngruppe. In den Monaten vor der Informationsveranstaltung fanden Gespräche zwischen den Barmherzigen Brüdern, Kommunalpolitikern und Bürgern statt, die dazu beigetragen haben, Ängste abzubauen. Die Gemeinde Zemmer stellte einen Fragebogen zur Verfügung, dessen Ergebnisse auf der Internetseite des Trägers veröffentlicht wurden. Dies zeigt das Bemühen um Transparenz und Bürgerbeteiligung.
Relevanz der forensischen Psychiatrie
Die geplante Wohngruppe ist ein Teil des Maßregelvollzugs, der in Deutschland für die Behandlung von psychisch kranken Straftätern zuständig ist. Laut DGPPN sind derzeit rund 10.000 Patienten in Kliniken des Maßregelvollzugs untergebracht. Der Maßregelvollzug behandelt Personen, die schwere Straftaten begangen haben und als nicht oder vermindert schuldfähig gelten. Das Ziel dieser Einrichtungen ist die Therapie der psychischen Störungen, um ein Leben in Freiheit unter Berücksichtigung des Schutzes der Öffentlichkeit zu ermöglichen.
Die Rückfallquote bei diesen Patienten liegt bei weniger als 5 Prozent, was die Erfolge in der Therapie unterstreicht. Dennoch bleibt das System des Maßregelvollzugs umstritten. Die DGPPN sieht Reformbedarf, insbesondere hinsichtlich rechtlicher Rahmenbedingungen und der Qualität psychiatrischer Gutachten. Fachleute kritisieren häufige Übergriffe in Form von Zwangsbehandlungen und den Einsatz von Psychopharmaka, die in diesen Einrichtungen notwendig sind.
Für die Entlassung aus dem Maßregelvollzug ist die Prognose der psychiatrischen Gutachter entscheidend. Diese erfolgt mindestens einmal jährlich. Die Bedingungen dort sind streng und werden von externen Beobachtern kritisiert, die darauf hinweisen, dass die Haftzeiten für psychisch kranke Straftäter häufig länger sind als für schuldfähige Straftäter. Die geplante Wohngruppe in Zemmer könnte ein Schritt in Richtung einer verbesserten Reintegration dieser oft stark belasteten Personen in die Gesellschaft sein.