Gerhart Baum, ehemaliger Bundesinnenminister und prominentes Mitglied der FDP, hat scharfe Kritik an der Parteiführung unter Christian Lindner geübt. In einem Interview mit „Zeit-Online“ äußerte Baum, dass die aktuelle Ausrichtung und der Führungsstil Lindners problematisch seien. Er warnt besonders davor, dass die Furcht vor innerparteilichen Diskussionen die Demokratie gefährde und verweist auf die essenzielle Bedeutung des Diskurses für das Überleben der Partei.
Bäume, der 92 Jahre alt ist, schilderte seine Bedenken vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP, das am kommenden Montag in Stuttgart stattfindet. Er kritisiert Lindners positive Haltung zu Elon Musk, die er als Abkehr vom wahren Liberalismus betrachtet. Darüber hinaus bezeichnet Baum Lindners Ansatz, sich auf Staatsausgabensenkungen und eine Reduktion von Behörden zu konzentrieren, als eine „vulgäre Kettensägenideologie“.
Kritik an der Parteigführung
Baum stellt fest, dass Musk in den Wahlkampf von Donald Trump eingestiegen sei und daher keine Wahlkampfempfehlung für die FDP abgibt. Die aktuelle Denkweise von Lindner bezeichnet er als machtorientiert und kritisiert, wie die FDP-Führung auf das Ende der Ampelkoalition reagiert hat. Während Baum Lindner dafür lobt, die FDP in den Bundestag zurückgebracht zu haben, bemängelt er die Selbstisolation der Partei in der Zeit danach.
Ein weiterer Punkt seiner Kritik ist die Reduktion der Partei auf eine einzige Führungsfigur. Er fordert mehr personelle Vielfalt innerhalb der FDP und nennt spezifisch die Sichtbarkeit von Marie-Agnes Strack-Zimmermann in der Außenpolitik als mangelhaft. Baum warnt, dass eine Fokussierung auf ausschliesslich ökonomische Ziele den Liberalismus verarmen lasse und fordert eine breitere Repräsentation innerhalb der Partei.